Bayreuth. Mit deutlicher Kritik reagiert der CSU-Landtagsabgeordnete Franc Dierl auf die bekannt gewordenen Millionenverluste von Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen bei Investments in Immobilienfonds. Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung sind mindestens 17 Kassen und Vereinigungen betroffen. Die bestätigten Verluste summieren sich auf über 200 Millionen Euro – aus Finanzkreisen werden Gesamtverluste von bis zu 1,1 Milliarden Euro genannt.
„Das macht mich nicht nur fassungslos, sondern richtig wütend. Beitragsgelder sind kein Spielgeld!", erklärt Dierl. „Hier geht es um das Geld von Millionen Menschen, die darauf vertrauen müssen, dass damit verantwortungsvoll umgegangen wird."
Das Sozialrecht schreibe für die Anlage von Beitragsmitteln ausdrücklich einen konservativen und risikoarmen Umgang vor. Dass erhebliche Summen in Anlageprodukte geflossen seien, bei denen nahezu das gesamte Kapital verloren gegangen sei, müsse lückenlos aufgeklärt werden – ohne Verschleierung und ohne Ausflüchte. Wer die Anlageentscheidungen getroffen, welche Risiken bewertet und welche Kontrollen versagt hätten, müsse offengelegt werden.
„Wenn es Fehlentscheidungen oder Verstöße gegen gesetzliche Vorgaben gegeben hat, müssen daraus Konsequenzen gezogen werden. Und zwar nicht nur auf dem Papier", betont Dierl. Ob Täuschungen oder Pflichtverletzungen vorliegen, müssten Gerichte und Aufsichtsbehörden klären. Politisch aber müsse bereits jetzt gelten: Ein solches Ausmaß darf sich nicht wiederholen.
Für Dierl zeigt der Vorgang zugleich ein strukturelles Problem: „Wir haben in Deutschland eine Vielzahl von Krankenkassen mit eigenen Vorständen, Verwaltungen und Aufsichtsgremien. Gleichzeitig steigen die Beiträge und die Versicherten fragen sich zu Recht, warum immer mehr Geld in der Verwaltung und immer weniger in der Versorgung ankommt." Die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen müsse deshalb deutlich reduziert werden. Ziel sei ein leistungsfähiges, transparentes und wirtschaftliches System mit weniger Doppelstrukturen und klarem Fokus auf eine gute und bezahlbare Versorgung.
Darüber hinaus fordert Dierl strengere gesetzliche Vorgaben für die Kapitalanlage von Beitragsmitteln, klare Dokumentations- und Prüfpflichten sowie eine stärkere persönliche Verantwortlichkeit der Entscheidungsträger. „Wir können nicht auf der einen Seite den Versicherten steigende Beiträge zumuten und auf der anderen Seite akzeptieren, dass Millionenbeträge durch riskante Anlagegeschäfte verloren gehen. Die Versicherten brauchen keine Ausreden, sie brauchen die Gewissheit, dass mit ihrem Geld verantwortungsvoll umgegangen wird", so Dierl abschließend.
Bayreuth, 10.09.2026
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